Trügerischer Verbraucherschutz – wenn Berater einer Verbraucherzentrale irren!

zuletzt aktualisiert am 28.08.2017

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist zwar wichtig, aber für körperlich Tätige oft teuer. Und bei Vorerkrankungen wird sie häufig nur mit Leistungsausschlüssen, Risikozuschlägen oder auch gar nicht möglich. Deshalb empfehlen erfahrene Fachleute, den BU-Schutz so zeitig wie möglich zu beantragen – also noch bevor eine risikoreiche Tätigkeit aufgenommen wird oder sich erste risikorelevante Vorerkrankungen bemerkbar machen. Doch ein Vebraucherschützer sieht das anders und widerspricht dabei sogar den Aussagen der eigenen Verbraucherzentrale.

Verhängnisvoller Tipp eines Verbraucherschützers

Michael Herte, Verbraucherschützer bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein rät in einem Beitrag der „Kieler Nachrichten“ Auszubildenden und Studenten, zunächst auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu verzichten. Begründung: „Die Police beziehe sich direkt auf einen Beruf – ob dieser nach der Ausbildung tatsächlich ausgeübt werde, sei aber nicht gewiss.“.

Eigentlich sollte Herr Herte wissen, dass es gleichgültig ist, welcher Beruf nach der Ausbildung ausgeübt wird. Laut Versicherungsvertragsgesetz gilt nämlich grundsätzlich der „zuletzt ausgeübte Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war“ als versichert. Doch wer solche grundsätzlichen Sachen nicht weiß, sollte dann nicht noch im Rahmen des Verbraucherschutzes Empfehlungen für oder gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeben.

Wer diesem falschen Rat vertraut und auf den Abschluss verzichtet, muss dies unter Umständen teuer bezahlen, denn:

  • wer während der Ausbildung oder des Studiums berufsunfähig wird, erhält dann natürlich keine BU-Leistungen und
  • wer als Azubi oder Student einen Arzt wegen bestimmter gesundheitlicher Beschwerden (Allergie, Rückenverspannung, Stress) konsultiert, kann seine BU-Versicherung danach häufig nur mit Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder auch gar nicht mehr abschließen.

Aber wer gesunden Jugendlichen vom rechtzeitigen Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung abrät, kann diesen Menschen später häufig nur noch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung als Alternative schmackhaft machen – obwohl diese nur eine Notlösung mit löchrigem Versicherungsschutz ist.

Aussage des Vebraucherschützers Herte vom 25.08.2017 Zitat eines Verbraucherschützers

Fachleute und Verbraucherzentrale wissen es besser

Natürlich bieten nicht alle Versicherer Jugendlichen während Ausbildung oder des Studiums einen vollwertigen BU-Schutz in ausreichender Höhe an. Aber das ist kein Grund, die Jugendlichen pauschal zum Verzicht auf BU-Schutz aufzufordern und damit ein unnötiges Risiko einzugehen. Es gibt genügend Tarife, die auch die Besonderheiten von Auszubildenden und Studenten berücksichtigen und hierfür hervorragenden Schutz bieten. Auch der Gesundheitszustand dieser Jugendlichen ist meist noch gut.

Doch das weiß auch die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein – zumindest erwecken die Empfehlungen auf ihrer Website diesen Eindruck. Dort heißt es eindeutig: „Wichtig für Studenten ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung“.

Wer nun glaubt, Verbraucherschützer Herte hätte sich nur unglücklich ausgedrückt und wäre falsch interpretiert worden, den muss ich enttäuschen. Wenn ich Kritik übe, dann gebe ich den Betroffenen auch die Möglichkeit, hierzu Stellung zu nehmen. Auf meiner Facebook-Seite hat Herr Herte seinen falschen Rat mit der nächsten abenteuerlichen Begründung verteidigt. Doch lesen Sie selbst!.

Auszug aus der Website der VZSH vom 25.08.2017 Zitat der Verbraucherzentrale

Falschberatung durch Verbraucherschutz - nur ein Einzelfall?

Ich weiß natürlich nicht, ob es sich hierbei nur um einen Einzelfall handelt. Aber ich fürchte, Verbraucherschützer Herte hat schon mehrere im Studium oder in der Ausbildung befindliche Jugendliche in seinem Sinne beraten. Und auch der von mir kritisierte Artikel wurde vermutlich inzwischen von mehreren hundert Jugendlichen gelesen.

Auch Versicherungsmakler-Kollege Frank Dietrich hat negative Erfahrungen mit der Leiterin seines Beratungszentrums vor Ort gesammelt und auf „Pfefferminzia“ – dem Branchenmagazin für Versicherungsprofis veröffentlicht. Dabei kommt er zu dem Schluss: „Der Verbraucherschutz muss umorganisiert werden“.

2 Kommentare:
Frank Dietrich schreibt am 28.08.2017:

Die Inkompetenz als Ratgeber und ganz ohne Haftung und auch ohne Hinweis auf fehlende Haftung für den Verbraucher scheint die Handlungsgrundlage vieler Verbraucherzentralen zu sein. Schluss damit! Wer berät hat sich fortzubilden, Sachkunde zu belegen, zu dokumentieren und für seinen Rat zu haften. Genau genommen gilt das auch im Tierreich. Der Stärkere überlebt, gemeint ist der, der die Kompetenz hat und nicht nur blöde quatscht. Guter Artikel, kritisch und sachlich. Weiter so.

Ralf-Dieter Haarke schreibt am 31.08.2017:

Leider ist es so, dass unter dem Siegel Verbraucherschutz jede noch so unqualifizierte Aussage publiziert werden kann. Haftung, Sachkunde, Dokumentation? Fehlanzeige! Im übrigen stimme ich dem Kollegen Dietrich umfänglich zu.

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