Wie günstig sind BU-Tarife mit reduzierten Startbeiträgen wirklich?

Darstellung der Beitragsstufen Junge Menschen können im Falle einer Erwerbsunfähigkeit vom Staat meist keine Hilfe erwarten, da sie die Voraussetzungen für die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nicht erfüllen. Eine private BU-Vorsorge wäre also wichtig. Andererseits haben junge Menschen meist ein noch geringes Einkommen. Deshalb gibt es für Schüler, Studenten, Auszubildende und Berufsstarter spezielle Tarife mit niedrigen Startbeiträgen an. Aber der Beitrag bleibt nicht dauerhaft niedrig. Deshalb lohnt es sich durchaus, die auf den ersten Blick empfehlenswert erscheinenden Tarife etwas genauer zu betrachten.

1. Tarife mit risikoadäquaten Beiträgen (z.B. Tarif SBU-solution® der Dialog Lebensversicherungs-AG)

Bei diesen Tarifen werden die Versicherungsbeiträge für jedes einzelne Jahr entsprechend dem jeweiligen Risiko kalkuliert. Bei Vertragsbeginn – also der Zeit des geringeren BU-Risikos – sind die Beiträge sehr niedrig. Sie steigen aber dann jedes Jahr entsprechend dem wachsenden Berufsunfähigkeitsrisikos. Dadurch besteht die Gefahr, dass der BU-Schutz gerade dann nicht mehr bezahlbar ist, wenn er am dringendsten gebraucht wird. Deshalb bietet beispielsweise die Dialog Lebensversicherungs-AG in ihren Versicherungsbedingungen einen Wechsel in den Normaltarif an:

Ein Wechsel von der SBU-solution® in die SBU-professional ist während der Laufzeit des Vertrages jederzeit durch entsprechenden Antrag in Textform zum Jahrestag des Versicherungsbeginns möglich. Der Antrag muss vor dem jeweiligen Jahrestag des Versicherungsbeginns bei uns eingegangen sein. Der Wechsel erfolgt ohne erneute Gesundheitsprüfung, wenn die Versicherungsdauer, die Leistungsdauer und die Berufsunfähigkeitsrente nicht erhöht werden, sowie keine zusätzlichen Optionen gewählt werden. Der Wechsel erfolgt innerhalb der abgeschlossenen Tarifgeneration. Eine Überprüfung der versicherten Berufsgruppe wird nicht vorgenommen. Die Möglichkeit der Besserstufung für Schüler und Studenten gemäß Absatz 13 bleibt hiervon unberührt.

Aber welchen Beitrag werden Sie nach dem Wechsel bezahlen, wenn

  • die Versicherungsgesellschaft in der Zwischenzeit die Beiträge des SBU-professional-Tarifs neu kalkuliert hat (wurde durch die neue o.g. Definition korrigiert),
  • der Versicherer Ihren Beruf in eine ungünstigere Berufsgruppe eingeordnet hat (wurde durch die neue o.g. Definition korrigiert) oder
  • Sie in der Zwischenzeit ein risikobehaftetes Hobby aufgenommen haben?

2. Tarife mit verkürzter Versicherungsdauer (z.B. Tarif „EGO Young“ der HDI Lebensversicherung AG)

Bei dieser Variante schließen Sie zunächst eine BU-Versicherung mit einer verkürzten Versicherungsdauer von z.B. 10 Jahren und einer Leistungsdauer bis zum 67.  Lebensjahr ab. Spätestens zum Ablauf der Versicherungsdauer wird Ihnen ein Anschlussvertrag ohne erneute Gesundheitsprüfung,  – aber nicht immer ohne erneute Prüfung des Berufs- und Freizeitrisikos – angeboten.

Und insbesondere hier stellt sich die Frage: Welche Versicherungsbedingungen werden für den neuen Vertrag gelten. Und kann Ihnen der Versicherer schon bei Abschluss der Starter-BU verbindlich mitteilen, wie hoch der Tarifbeitrag für die Anschluss-BU sein wird – auch wenn sich in der Zwischenzeit die Kalkulationsgrundlagen des Versicherers ändern oder Sie einen risikoreicheren Beruf oder ein solches Hobby ausüben? Nur die Zusicherung auf Abschluss eines Anschlussvertrags ohne erneute Gesundheitsprüfung birgt für Sie manches Risiko.

3. Stufentarife (z.B. „Einsteiger-SBU“ der Condor Lebensversicherungs-AG)

Bei dieser Tarifvariante schließen Sie die BU-Versicherung mit der von Ihnen gewünschten Versicherungs- und Leistungsdauer ab. Die Versicherungsbedingungen gelten für die gesamte Versicherungsdauer und Änderungen des Berufs- und Freizeitrisikos haben keine Auswirkungen auf den laufenden Vertrag. Die Tarifbeiträge erhöhen sich stufenartig. Zeitpunkt und Betrag der Beitragserhöhungen liegen Ihnen bereits bei der Antragstellung vor. Wichtig ist, dass die Beiträge über die gesamte Versicherungsdauer – also auch nach den Beitragssprüngen – bezahlbar bleiben. Diese sind nach Ablauf der Einstiegsphase teilweise deutlich höher als beim entsprechenden Normaltarif des gleichen Versicherers.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!

„5 Jahre lang die Hälfte der Beiträge sparen“ – Das klingt doch nach einem echten Schnäppchen. Aber blind sollten Sie solchen Werbesprüchen nicht vertrauen. Vergleichen wir nämlich die Beiträge der hier beworbenen Starter-BU mit dem Normaltarif des gleichen Versicherers anhand eines konkreten Beispiels (1.000 € BU-Rente für einen 21-jährigen Elektriker bis zum 66. Lebensjahr), dann wird deutlich: Sie sparen 5 Jahre lang 41% der Beiträge und zahlen danach 40 Jahre lang 110%. Sie sparen also beim Starter-Tarif nichts, sondern bezahlen sogar noch mehr. So lange dies in einem vertretbaren Rahmen bleibt, ist dies sicherlich kein Problem. Das Hauptproblem ist, wie diese Tarife beworben werden. Deshalb bleiben Sie kritisch und vergleichen Sie die Beträge des Start-Tarifs mit den Beiträgen des Normaltarifs über die gesamte Vertragsdauer.

Beispiel der Werbung eines Versicherers für seinen Starter-Tarif:
Ausschnitt aus einer Werbung
Tipp

Wird Ihnen ein Tarif mit anfänglich reduzierten Beiträgen angeboten, so prüfen Sie genau, zu welchen Bedingungen und Beiträgen Sie den BU-Schutz nach Ablauf der Startphase fortführen können. Wenn ein Versicherer für den Anschlussvertrag nur auf eine Gesundheitsprüfung verzichtet, kann er trotzdem noch vorhandene Berufs- und/oder Freizeitrisiken prüfen und die Beiträge entsprechend anheben.

Wegen der vielfältigen Stolpersteine und der schwierigen Vergleichbarkeit dieser Tarife haben wir in unserem Online-Vergleich keine Tarife mit reduzierten Anfangsbeiträgen einbezogen. Sollten Sie sich für einen solchen Start-Tarif interessieren, vereinbaren Sie einfach einen Termin für eine kostenlose Online-Beratung. Wir beraten Sie gern.