Hinweise zum Leistungsantrag

Haben Sie einen guten BU-Vertrag mit Verzicht auf abstrakte Verweisung und verkürztem Prognosezeitraum abgeschlossen, so finden Sie den Begriff „Berufsunfähigkeit“ in den Versicherungsbedingungen so oder so ähnlich definiert:

Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich sechs Monate ununterbrochen außerstande ist, seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen ausgestaltet war, auszuüben.

Ist nach Ihrer Einschätzung dieser Fall eingetreten und Sie wollen Leistungen aus Ihrer BU-Versicherung beantragen, so müssen Sie dem Versicherer das Vorliegen der Berufsunfähigkeit entsprechend der zugrunde liegenden Versicherungsbedingungen nachweisen. Hierzu erhalten Sie von Ihrem Versicherer umfangreiche Formulare, die Sie ausfüllen und zusammen mit folgenden Informationen bzw. Unterlagen einreichen müssen:

  • eine Darstellung der Ursache für den Eintritt der Berufsunfähigkeit,
  • ausführliche Berichte der Ärzte, die Sie gegenwärtig behandeln bzw. behandelt oder untersucht haben, über Ursache, Beginn, Art, Verlauf und voraussichtliche Dauer des Leidens sowie über den Grad der Berufsunfähigkeit oder über die Pflegebedürftigkeit und
  • Unterlagen über Ihren Beruf, Ihrer Stellung und Tätigkeit zum Zeitpunkt des Eintritts der Berufsunfähigkeit sowie über die eingetretenen Veränderungen.

Das Problem: Obwohl Sie gesundheitlich angeschlagen sind und unter Umständen auch schon finanzielle Sorgen haben, müssen diese Unterlagen korrekt, vollständig und überzeugend sein. Anhand der eingereichten Unterlagen wird dann der Versicherer sehr genau prüfen, ob eine bedingungsgemäße Berufsunfähigkeit vorliegt und er zur Leistung verpflichtet ist.

Deshalb sollten Sie zunächst entscheiden, ob Sie den Leistungsantrag allein stellen oder hierzu die Hilfe Dritter in Anspruch nehmen wollen. Diese Entscheidung sollten Sie gleich zu Beginn treffen, weil einmal aus Unwissenheit fehlerhaft gemachte Angaben, sich auch später von einem Fachmann nur schwer oder auch überhaupt nicht mehr korrigieren lassen. Zwar bieten auch einige Versicherungsgesellschaften Hilfe beim Stellen des Leistungsantrags an. Sie sollten dabei aber immer bedenken, dass es sich hierbei um Angestellte des Versicherers handelt. Es ist nur schwer vorstellbar, dass diese abhängigen Angestellten in jedem Fall die Interessen der versicherten Person über die Interessen des Arbeitgebers stellen. Insofern erscheint die Hilfe eines auf BU-Leistungsanträge spezialisierten Fachmanns sinnvoller, obwohl dieser natürlich auch Kosten verursachen wird

noch nicht zugesagte BU-Rente Hier nur einige Punkte, die Sie beim Stellen des Leistungsantrags beachten sollten:

  • Die Formulare der Versicherer verleiten häufig dazu, nur schnell ein Kreuzchen an der passendsten Stelle zu setzen oder aus Platzgründen nur wenige Ergänzungen bzw. Erläuterungen vorzunehmen. Dies kann verhängnisvoll werden, wenn sich dadurch beim Sachbearbeiter der Versicherungsgesellschaft ein falsches oder unvollständiges Bild über Ihre Krankheit oder Ihre Tätigkeit ergibt.
  • Der Versicherer hat im Rahmen der Leistungsprüfung nicht das Recht, die gesamte Patientenakte einzusehen. Unterschreiben Sie ihm aber eine pauschale Schweigepflichtentbindungserklärung, kann er auch Informationen für seine Entscheidung verwenden, die er nur zufällig erlangt hat. Ein Fachmann kann abschätzen, ob in Ihrem konkreten Fall eine pauschale oder individuelle Schweigepflichtentbindungserklärung sinnvoll wäre.
  • Soll die Ursache für den Eintritt der Berufsunfähigkeit benannt werden, so nennen viele Betroffene nur die Hauptursache. Nicht selten ist es aber die Summe der Erkrankungen und Folgeerkrankungen, die zu dem beispielsweise erforderlichen 50%-igen Grad der Berufsunfähigkeit führen. Andererseits würde das emotionale Aufführen aller möglichen Beschwerden ohne medizinische Nachweise unter Umständen eine Unglaubwürdigkeit hervorrufen.
  • Besonders bedeutsam sind auch die Fragen zur beruflichen Tätigkeit vor und nach dem Leistungsfall. Personen mit gleicher Berufsbezeichnung können durchaus sehr unterschiedliche Tätigkeiten ausüben. Deshalb sollten die einzelnen Tätigkeiten tabellarisch in Form eines Stundenplans aufgelistet werden. Hierzu ist es zwar grundsätzlich erst einmal richtig, die krankheitsbedingt nicht mehr ausübbaren beruflichen Tätigkeiten in zeitlicher Hinsicht zu analysieren. Sie sollten aber auch darlegen, welche Teiltätigkeiten nicht abtrennbare Teile eines Gesamtvorgangs sind. So hilft es beispielsweise einem Sachverständiger nicht wirklich, dass er im Büro noch Gutachten schreiben könnte, wenn er aus gesundheitlichen Gründen die hierzu erforderliche Vor-Ort-Besichtigung nicht mehr ausüben kann. Solche nachweisbaren Zusammenhänge müssen Sie aber verdeutlichen. Der Sachbearbeiter der Versicherungsgesellschaft muss sich später ein klares Bild zu Ihrer Tätigkeit in gesunden Tagen und zu Ihren jetzigen Möglichkeiten machen können.

Sie würden einen solchen Leistungsantrag wahrscheinlich erstmalig stellen und dabei vielleicht den einen oder anderen Fehler machen. Ein erfahrener und unabhängiger Fachmann kennt die Stolpersteine und kann Ihnen helfen, berechtigte Leistungsansprüche möglichst schnell durchzusetzen. Dies setzt jedoch voraus, dass Sie damals bei der Beantragung Ihrer Versicherung alle Antragsfragen korrekt beantwortet und Ihre vorvertragliche Anzeigepflicht nicht verletzt hatten.

Hilfe beim Leistungsantrag

Sollten Sie beim Stellen eines Leistungsantrags professionelle Hilfe benötigen – nachfolgend listen wir ausgewählte Fachleute auf, die uns als Referenten bei Schulungen oder durch Ihre Gastbeiträge auf Internetplattformen von ihrer Kompetenz überzeugt haben. Bei Interesse wenden Sie sich bitte direkt an den Ansprechpartner Ihres Vertrauens. Beachten Sie bitte, dass die hier aufgeführten Spezialisten ihre Leistungen nur kostenpflichtig anbieten können.

Versicherungsberaterin Angela Baumeister
Anrather Str. 21
47877 Willich
Tel.: 02154 - 953 47 70
Web: www.versicherungsberaterin.net

Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte in Partnerschaft mbB
Rechtsanwalt Björn Thorben M. Jöhnke
Großneumarkt 20
20459 Hamburg
Tel.: 040 - 34 80 97 50
Web: www.joehnke-reichow.de

Wirth - Rechtsanwälte
Rechtsanwälte in Partnerschaft mbB
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