Definition der Berufsunfähigkeit laut VVG

AGB Kontakt Impressum wir bei facebook wir bei google+
  1. Startseite >
  2. Hinweise für Interessierte >
  3. Berufsunfähigkeit laut VVG

Definition der Berufsunfähigkeit laut Versicherungsvertragsgesetz (VVG)

Der Begriff der Berufsunfähigkeit wird im neuen Versicherungsvertragsgesetz (VVG) unter Kapitel 6 § 172 wie folgt definiert:

(1) Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist der Versicherer verpflichtet, für eine nach Beginn der Versicherung eingetretene Berufsunfähigkeit die vereinbarten Leistungen zu erbringen.
 
(2) Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.
 
(3) Als weitere Voraussetzung einer Leistungspflicht des Versicherers kann vereinbart werden, dass die versicherte Person auch keine andere Tätigkeit ausübt oder ausüben kann, die zu übernehmen sie auf Grund ihrer Ausbildung und Fähigkeiten in der Lage ist und die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.

Damit beinhaltet die im Versicherungsvertragsgesetz enthaltene Definition für den Verbraucher zwei große Nachteile:
  • So liegt nach Absatz (2) eine Berufsunfähigkeit nur vor, wenn die versicherte Person ihre Tätigkeit voraussichtlich auf Dauer (d.h. laut Rechtsprechung: mindestens 3 Jahre) nicht mehr ausüben kann. Im Einzelfall kann es jedoch für den begutachtenden Arzt sehr schwierig sein, eine ärztliche Prognose über diesen Zeitraum abzugeben. Da dies im Einzelfall für die Zahlung oder Nichtzahlung einer Versicherungsleistung bedeutsam sein kann, sollte man nur einen Tarif mit einem verkürzten Prognosezeitraum von 6 Monaten akzeptieren.
  • Besonders ungünstig für den Versicherungsnehmer ist es, wenn der Versicherer von der Einschränkung gemäß Absatz (3) in vollem Umfang Gebrauch macht. Hier wird nämlich dem Versicherer mit den Worten „keine andere Tätigkeit ausübt“ die Möglichkeit der konkreten Verweisung und mit den Worten „keine andere Tätigkeit ... ausüben kann“ auch die Möglichkeit der abstrakten Verweisung eingeräumt. Verzichtet aber der Versicherer nicht auf sein so genanntes abstraktes Verweisungsrecht, kann er die Leistung verweigern, wenn die versicherte Person auf Grund ihrer Ausbildung und Fähigkeiten noch eine andere Tätigkeit ausüben könnte und diese Tätigkeit ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.
     
    Wir empfehlen beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung unbedingt darauf zu achten, dass der Versicherer eindeutig auf eine abstrakte Verweisung verzichtet und bezüglich der konkreten Verweisung klare und verbraucherfreundliche Regeln formuliert.

Versicherungsvertragsgesetz Aber bekanntlich steckt der Teufel ja im Detail. Das Leben ist vielseitig und im Versicherungsvertragsgesetz können natürlich nicht alle Eventualitäten geregelt werden. So finden wir beispielsweise im VVG keine Regelungen, wenn eine Berufsunfähigkeit zunächst nur als vorübergehende Erkrankung beurteilt wurde oder die versicherte Person bei Eintritt der Berufsunfähigkeit gerade arbeitslos – also nicht berufstätig war. Deshalb werden in den Versicherungsbedingungen der jeweiligen Tarife noch einige wichtige Bedingungsverbesserungen und viele weitere Bedingungsverbesserungen, die später – je nach persönlicher Situation – entscheidend für die Leistungsanerkennung oder Leistungsablehnung sein können. Es lohnt sich durchaus, auch vermeintliche Kleinigkeiten zu achten.
 
Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang auch, dass bei den meisten Tarifen zur Berufsunfähigkeitsversicherung die vereinbarte BU-Rente erst ab 50%-iger Berufsunfähigkeit ausgezahlt wird – dann aber auch in der vollen, vereinbarten Höhe. Es gibt aber auch einzelne Anbieter, die alternativ noch eine Staffelregelung anbieten. Bei einer 25/75%-Regelung wird zum Beispiel bei einer Berufsunfähigkeit zwischen 25% und 75% die BU-Rente nur anteilig und erst bei einer Berufsunfähigkeit ab 75% in voller Höhe gezahlt. Sicherlich kann man darüber streiten, ob die Vereinbarung einer solchen Staffelregelung sinnvoll ist. In der Regel dürfte es jedoch wichtiger sein, schon ab 50%-iger Berufsunfähigkeit die volle BU-Rente zum Bestreiten des Lebensunterhalts zu erhalten!