Versicherungsbedingungen (Teil 1)

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Darauf sollten Sie unbedingt achten:

Verzicht auf abstrakte Verweisung
Da der Verzicht des Versicherers auf abstrakte Verweisung für uns die wichtigste Voraussetzung für eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung ist, haben wir diesem eine eigene Seite gewidmet und wollen uns hier nicht wiederholen.
 
Verkürzung des Prognosezeitraums auf 6 Monate
Laut der Definition aus dem Versicherungsvertragsgesetz muss die versicherte Person „voraussichtlich auf Dauer“ (d.h. also laut Rechtsprechung mindestens 3 Jahre) außerstande sein, ihren Beruf auszuüben. Scheut sich der Arzt, eine solch langfristige Prognose abzugeben, wäre der Versicherer zu keiner Leistung verpflichtet. Die meisten Versicherer bieten aber inzwischen auch Tarife mit verkürztem Prognosezeitraum von 6 Monaten an. Um nicht auf die langfristige Prognose des zuständigen Arztes angewiesen zu sein, sollte man immer auf den verkürzten Prognosezeitraum achten!
 
Rückwirkende Leistung nach 6-monatiger Berufsunfähigkeit
Nach einer sechsmonatigen ununterbrochenen Berufsunfähigkeit, die als solche nicht von Beginn an erkennbar war, gilt normalerweise die „Fortdauer dieses Zustandes“ als Berufsunfähigkeit. Die Rente würde also in diesem Fall ab dem siebten Monat gezahlt. Tarife mit verbraucherfreundlichen Versicherungsbedingungen leisten in diesen Fällen aber auch rückwirkend und zahlen somit „von Beginn an“.
 
Rückwirkende Leistung bei verspäteter Meldung
Im Falle einer Berufsunfähigkeit kann es vorkommen, dass die versicherte Person den Eintritt des Versicherungsfalles nicht zeitnah melden kann (z.B. aus gesundheitlichen Gründen oder weil noch ärztliche Gutachten oder Bescheide fehlen). Deshalb ist es wichtig, dass der Versicherer auf Meldefristen verzichtet oder zumindest für drei Jahre rückwirkend leistet. Anderenfalls könnten dem Versicherten mehrere BU-Rentenzahlungen verwehrt bleiben.
 
Verzicht auf Kündigung bzw. Vertragsanpassung bei unverschuldeter Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht
Nach § 19 des Versicherungsvertragsgesetzes hat der Versicherer das Recht zur Kündigung oder Beitragsanpassung, wenn sich nach Vertragsabschluss herausstellt, dass bereits bei Vertragsbeginn ein erhöhtes Risiko vorlag, das keiner der beiden Vertragsparteien bekannt war und das deswegen auch schuldlos vom Antragsteller nicht angegeben wurde. Einige Versicherer verzichten aber auch hier sowohl auf das Recht der Kündigung als auch auf das Recht der Beitragsanpassung. Und da niemand weiß, welche Krankheiten sich schon unbemerkt im Körper entfaltet aber noch keine Beschwerden verursacht haben, halten wir diesen Verzicht für außerordentlich wichtig!
 
weltweiter Versicherungsschutz
Bei den meisten Tarifen gilt inzwischen ein weltweiter Versicherungsschutz. Dies ist auch notwendig, denn nicht selten üben sowohl Selbständige als auch Arbeitnehmer ihre Berufstätigkeit im Ausland aus - und das manchmal für Monate oder gar Jahre. Durch den weltweiten Versicherungsschutz ist das kein Problem, wenn die versicherte Person im Falle einer Berufsunfähigkeit nach Deutschland zurückkehrt. Im Einzelfall kann es jedoch trotz des weltweiten Versicherungsschutzes problematisch werden - nämlich dann, wenn die versicherte Person im Falle einer Berufsunfähigkeit im Ausland bleiben oder dorthin ziehen möchte. Bei den meisten Tarifen wird vorausgesetzt bzw. definiert, dass erforderliche ärztliche Untersuchungen in Deutschland stattfinden. Nur wenige Versicherer verzichten auf eine ärztliche Untersuchung in Deutschland oder tragen die hierzu anfallenden Reise- und Unterkunftskosten. Wenn dieser Gesichtspunkt für Sie wichtig ist, sollten Sie sich die genauen Formulierungen in den Versicherungsbedingungen anschauen.
 
zumutbare Arztanordnungsklausel
Mit der Arztanordnungsklausel wird die versicherte Person verpflichtet, den Vorschlägen des behandelnden Arztes zur Minderung der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu folgen. Dies darf aber nicht dazu führen, dass der Versicherte jedes medizinisch mögliche Experiment über sich ergehen lassen muss, nur um seine Mitwirkungspflicht zu erfüllen.
Nach unserer Ansicht ist eine Arztanordnungsklausel nur zumutbar, wenn sie die Durchführung operativer und sonstiger risikobehafteter Behandlungsmaßnahmen ausdrücklich ausschließt. Zumutbar sind jedoch Forderungen zum Einsatz von Hilfsmitteln des täglichen Lebens (z.B. Verwendung von Prothesen, Seh- und Hörhilfen) sowie Heilbehandlungen, die gefahrlos und nicht mit besonderen Schmerzen verbunden sind und darüber hinaus sichere Aussicht auf Besserung des Gesundheitszustands bieten. Einige Versicherer werben in diesem Fall dann zwar mit „keine Arztanordnungsklausel“. Wir empfinden diese Werbung etwas irreführend und sprechen in diesem Fall besser von einer zumutbaren Arztanordnungsklausel.
 
Keine „überraschende Klauseln“ in der Nachprüfung
Versicherungsgesellschaften können während der Zahlung von BU-Renten prüfen, ob die damals anerkannte Berufsunfähigkeit auch immer noch besteht. Anderenfalls könnte die weitere Zahlung der BU-Rente eingestellt werden. Bis zu diesem Punkt gibt es noch nichts zu bemängeln. Denn wenn sich der Gesundheitszustand der versicherten Person soweit verbessert hat, dass der ursprüngliche Beruf wieder ausgeübt werden kann, liegt eben keine Berufsunfähigkeit mehr vor. Problematisch wird die Nachprüfung aber, wenn der Versicherer für die Nachprüfung andere Regeln festsetzt als für die Erstprüfung. So gibt es Versicherer, die zwar in der Erstprüfung auf die abstrakte Verweisung verzichten - aber nicht bei der Nachprüfung! Leider ist diese Praxis noch nicht so in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten, deshalb sehen wahrscheinlich einige Versicherer hier noch einen Ausweg, um BU-Renten nicht bis zur vereinbarten Leistungsdauer zahlen zu müssen. Achten Sie deshalb immer darauf, dass die Nachprüfung keine „überraschende Klauseln“ enthält und hierfür die gleichen Regeln wie für die Erstprüfung gelten.
 
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