15.11.2013 (überarbeitet am 08.11.2014)

Warum einfach, wenn sich Eintrittsalter und Endalter auch umständlich berechnen lassen!

Gedanken zur Berechnung des versicherungstechnischen Alters

Der Beitrag für eine BU- oder Lebensversicherung hängt u.a. auch vom Alter der versichertern Person zum Zeitpunkt des Versicherungsbeginns ab. Hierzu haben die Versicherungsgesellschaften den Begriff „versicherungstechnisches Eintrittsalter“ eingeführt. Je früher man die Versicherung abschließt, desto niedriger wird der Beitrag.

Doch wenn Sie nun glauben, das versicherungstechnische Alter einfach selbst ausrechnen zu können, muss ich Sie enttäuschen! Sie müssen dazu nämlich noch wissen, bei welcher Versicherungsgesellschaft Sie die Versicherung abschließen wollen. Die Gesellschaften nutzen im Wesentlichen 3 unterschiedliche Varianten, die auch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Das möchte ich nachfolgend am Beispiel von Herrn Müller (geboren am 01.03.1985) verdeutlichen. Erwähnen möchte ich vorher noch, dass BU-Versicherungen immer nur zum 01. eines Monats beginnen können.

Ermittlung nach dem umgangssprachlichen Alter

Dieses Verfahren wird nur von einigen wenigen Versicherern (z.B: Hannoversche, Nürnberger und VHV) genutzt. Dabei wird das tatsächliche Alter der zu versichernden Person umgangssprachlich ermittelt. Beginnt die Versicherung am Tag des Geburtstags, erhöht sich auch das versicherungstechnische Eintrittsalter auf das jeweils vollendete Lebensjahr.
Herr Müller hätte also bei einem Versicherungsbeginn zum 01.02.2015 noch ein Eintrittsalter von 29 Jahren, bei einem Versicherungsbeginn zum 01.03.2015 läge das Eintrittsalter bereits bei 30 Jahren.

Ermittlung nach dem Kalenderjahresverfahren

Dieses Verfahren wird wahrscheinlich von den meisten BU-Versicherern (z.B. Alte Leipziger, Condor, Continentale, Generali, HDI, LV von 1871 und Volkswohl Bund) genutzt. Das Alter berechnet sich aus der Differenz des Kalenderjahres bei Vertragsbeginn und des Geburtsjahres der zu versichernden Person. Dadurch erhöht sich das versicherungstechnische Eintrittsalter für alle Personen immer zum Jahreswechsel.
Herr Müller hätte also bei einem Versicherungsbeginn in 2015 immer ein Eintrittsalter von 30 Jahren.

Ermittlung nach dem Halbjahresverfahren

Auch dieses Verfahren wird von vielen BU-Versicherern (z.B. InterRisk, Stuttgarter, SwissLife, UniVersa, WWK und Zurich) genutzt. Dabei wird das Alter der zu versichernden Person zum Zeitpunkt des Versicherungsbeginns entweder auf- oder abgerundet. Das versicherungstechnische Eintrittsalter wird also schon 6 Monate vor dem eigentlichen Geburtstag ein Jahr höher.
Herr Müller hätte also bei einem Versicherungsbeginn zum 01.09.2015 noch ein Eintrittsalter von 30 Jahren, bei einem Versicherungsbeginn zum 01.10.2015 aber von 31 Jahren.

Bis zu diesem Punkt sind diese unterschiedlichen Berechnungen nur unschön und sicherlich wenig transparent. Denn sowohl in den Versicherungsanträgen als auch bei Online-Vergleichen gibt man immer den gewünschten Versicherungsbeginn und das Geburtsdatum der zu versichernden Person an. Daraus ermittelt die Software das jeweilige Eintrittsalter für die verschiedenen Gesellschaften.

Problematisch wird dies, wenn Versicherer oder Vergleichsportale nicht nach Geburtsdatum und der Versicherungsdauer in Jahren – sondern nach Eintrittsalter und gewünschtem Endalter fragen. Denn auch das versicherungstechnische Endalter berechnet sich nach den gleichen Regeln wie das Eintrittsalter. Gibt Herr Müller bei einem Versicherungsbeginn zum 01.10.2015 eine Versicherungsdauer bis zum 65. Lebensjahr vor, so erhält er beispielsweise von der Continentale ein Angebot mit einer Versicherungsdauer von 35 Jahren – die Versicherung würde also zum 01.10.2050 enden. Bei der WWK dagegen wäre das versicherungstechnische Endalter von 65 Jahren aber bereits zum 01.10.2049 erreicht. Hier würde die Versicherungsdauer also nur 34 Jahre betragen.

Deshalb sollte bei einem Vergleich immer das Geburtsdatum und die gewünschte Versicherungsdauer in Jahren abgefragt werden. Die zu versichernde Person weiß wie alt bzw. jung sie ist und kann selbst ausrechnen, wie viel Jahre sie den Versicherungsschutz und die Berufsunfähigkeitsrente benötigt. Wird dagegen die Versicherungsdauer bis zu einem bestimmten Lebensjahr abgefragt, werden zwangsläufig Tarife mit unterschiedlicher Versicherungsdauer – also Äpfel mit Birnen – verglichen. Wird dann auch noch im Antrag die Versicherungsdauer bis zu einem bestimmten Lebensjahr angegeben, fällt dem Antragsteller u.U. gar nicht auf, dass sein Versicherungsschutz ein Jahr zu zeitig endet.

zum Online-Vergleich

Abschließende Bemerkung:

Aus diesem Beitrag kann nicht geschlossen werden, dass die Ermittlung des Eintritts- oder Endalters nach dem Halbjahresverfahren grundsätzlich ungünstig ist. Wäre Herr Müller am 01.10.1985 geboren und würde die Versicherung zum 01.03.2015 beginnen, wäre das Halbjahresverfahren vorteilhaft und das Kalenderjahresverfahren nachteilig.

Warum können sich die Versicherungsgesellschaften nicht auf ein einheitliches Verfahren zur Ermittlung des versicherungstechnischen Alters einigen? Eine Entscheidung für das umgangssprachliche Alter wäre für jeden logisch und nachvollziehbar!

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